Botulismus
- ICD-10A05.1
- Infektiologie
- Toxikologie
- Periphere Nerven
- Muskeln
Auch bekannt als Lebensmittelbotulismus · Clostridium-botulinum-Vergiftung · Botulinumtoxin-Vergiftung · Wurstvergiftung
Botulismus ist eine Vergiftung mit dem Neurotoxin von Clostridium botulinum, das die Freisetzung von Acetylcholin an der motorischen Endplatte und an autonomen Synapsen blockiert. Am häufigsten ist der Lebensmittelbotulismus durch unzureichend erhitzte, luftdicht verschlossene Konserven, Eingemachtes oder geräucherten Fisch. Seltener sind Wundbotulismus, etwa bei Drogeninjektion, und der Säuglingsbotulismus durch Honig. Nach Stunden bis Tagen beginnen Hirnnervenausfälle mit Doppelbildern, Ptosis, weiten, lichtstarren Pupillen, Schluck- und Sprechstörungen und Mundtrockenheit.
Danach folgt eine absteigende, symmetrische, schlaffe Lähmung bis zur Atemlähmung, bei erhaltenem Bewusstsein, ohne Fieber und ohne Sensibilitätsstörungen. Das unterscheidet ihn vom aufsteigenden Guillain-Barré-Syndrom. Die Diagnose wird klinisch gestellt und durch Toxinnachweis in Serum, Stuhl oder Lebensmittelresten bestätigt. Therapie sind die möglichst frühe Gabe von Antitoxin und intensivmedizinische Unterstützung mit Beatmung. Die Erholung dauert Wochen bis Monate, weil neue Nervenendigungen aussprossen müssen.
💡 Nice to know
Der schwäbische Arzt und Dichter Justinus Kerner beschrieb im frühen 19. Jahrhundert Vergiftungen durch verdorbene Blutwurst. Daher kommt der Name: Lateinisch botulus bedeutet Wurst. Kerner schlug sogar schon vor, das Gift in winzigen Mengen therapeutisch zu nutzen.
Medizinischer & rechtlicher Hinweis
Einfach Medizin Pathio ist ein Lern- und Ratespiel. Die gezeigten Fälle sind vereinfacht und dienen ausschließlich Unterhaltungs- und Bildungszwecken. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.