Herpes-simplex-Enzephalitis
- ICD-10B00.4
- Neurologie
- Infektiologie
- Gehirn
Auch bekannt als HSV-Enzephalitis · Herpesenzephalitis · Herpes-Enzephalitis · HSE
Die Herpes-simplex-Enzephalitis ist die häufigste sporadische virale Gehirnentzündung. Meist wird Herpes-simplex-Virus Typ 1 reaktiviert und befällt bevorzugt die Temporallappen und das limbische System, oft asymmetrisch und mit hämorrhagisch-nekrotisierender Entzündung. Sie tritt in jedem Alter auf und beginnt meist ohne Lippenherpes. Typisch sind Fieber und Kopfschmerzen, gefolgt von Wesensänderung, Verwirrtheit, Sprachstörungen, Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen, epileptischen Anfällen und Bewusstseinsstörungen.
Die MRT zeigt früh Signalveränderungen in den Temporallappen, das EEG kann dort periodische Entladungen aufweisen. Der Liquor zeigt eine lymphozytäre Pleozytose, häufig Erythrozyten und ein leicht erhöhtes Eiweiß; beweisend ist der Nachweis von HSV-DNA per PCR. Entscheidend ist, dass bereits bei Verdacht sofort Aciclovir intravenös gegeben wird, noch bevor Befunde vorliegen. Unbehandelt verläuft die Erkrankung meist tödlich; auch mit Therapie bleiben oft Gedächtnisstörungen, Epilepsie oder Wesensänderungen zurück. Selten folgt nach der Infektion eine Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis.
💡 Nice to know
Viele Kliniken geben bei Fieber und Verwirrtheit Aciclovir schon, bevor überhaupt eine Lumbalpunktion erfolgt ist. Der Grund ist die Asymmetrie des Risikos: Ein unnötiges Virostatikum schadet wenig, jede Stunde Verzögerung bei einer echten Herpesenzephalitis dagegen sehr.
Medizinischer & rechtlicher Hinweis
Einfach Medizin Pathio ist ein Lern- und Ratespiel. Die gezeigten Fälle sind vereinfacht und dienen ausschließlich Unterhaltungs- und Bildungszwecken. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.