Idiopathische Fazialisparese
- ICD-10G51.0
- Neurologie
- HNO
- Hirnnerven
Auch bekannt als Bell-Parese · Periphere Fazialisparese · Idiopathische periphere Fazialislähmung · Gesichtslähmung · Bell's palsy
Die idiopathische Fazialisparese ist die häufigste Ursache einer einseitigen Gesichtslähmung. Vermutet wird eine entzündliche Schwellung des N. facialis im engen knöchernen Kanal des Felsenbeins, möglicherweise durch reaktivierte Herpesviren. Innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen entwickelt sich eine Lähmung aller mimischen Muskeln einer Gesichtshälfte: Der Mundwinkel hängt, die Stirn lässt sich nicht runzeln und das Auge nicht vollständig schließen. Begleitend können Schmerzen hinter dem Ohr, Geschmacksstörungen, Geräuschempfindlichkeit und verminderter Tränenfluss auftreten.
Entscheidend ist die Abgrenzung zur zentralen Lähmung, etwa beim Schlaganfall, bei der die Stirnmuskulatur wegen ihrer beidseitigen zentralen Versorgung ausgespart bleibt. Beim Versuch, das Auge zu schließen, dreht sich der Augapfel nach oben, sichtbar als Bell-Phänomen. Borreliose, Zoster oticus, Otitis media und Tumoren müssen ausgeschlossen werden. Die frühe Gabe von Prednisolon innerhalb von drei Tagen verbessert die Erholung. Wichtig ist der Schutz des Auges mit Tränenersatzmitteln und einem Uhrglasverband in der Nacht. Die meisten Patienten erholen sich innerhalb einiger Wochen bis Monate vollständig.
💡 Nice to know
Bei Kindern und in Endemiegebieten ist die Lyme-Borreliose eine häufige Ursache einer Fazialisparese. Eine beidseitige Gesichtslähmung gilt nie als „idiopathisch“, bevor Borreliose, Guillain-Barré-Syndrom und Sarkoidose ausgeschlossen sind.
Medizinischer & rechtlicher Hinweis
Einfach Medizin Pathio ist ein Lern- und Ratespiel. Die gezeigten Fälle sind vereinfacht und dienen ausschließlich Unterhaltungs- und Bildungszwecken. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.