Riesenzellarteriitis
- ICD-10M31.6
- Rheumatologie
- Gefäße
Auch bekannt als Arteriitis temporalis · Morbus Horton · Arteriitis cranialis · Horton-Syndrom · RZA
Die Riesenzellarteriitis ist die häufigste Vaskulitis des Erwachsenen und betrifft fast ausschließlich Menschen über 50 Jahre, Frauen häufiger als Männer. Die granulomatöse Entzündung befällt große und mittelgroße Arterien, besonders die Äste der A. carotis externa wie die Schläfenarterie, aber auch die Aorta. Häufig besteht gleichzeitig eine Polymyalgia rheumatica. Typisch sind neu aufgetretene Schläfenkopfschmerzen, eine verdickte, druckschmerzhafte Schläfenarterie, Schmerzen beim Kauen (Claudicatio masticatoria), Empfindlichkeit der Kopfhaut beim Kämmen, Fieber, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit.
Gefürchtet ist die plötzliche, oft bleibende Erblindung durch eine anteriore ischämische Optikusneuropathie. Im Labor sind BSG und CRP deutlich erhöht. Die Farbduplexsonografie zeigt einen echoarmen Halo um die entzündete Arterie; die Biopsie der Schläfenarterie oder bei Befall der Aorta ein PET-CT können die Diagnose sichern. Bei begründetem Verdacht wird sofort hochdosiert Prednisolon gegeben, ohne auf Biopsie oder Befunde zu warten, bei Sehstörungen intravenös. Tocilizumab hilft, Kortison einzusparen. Langfristig drohen Aortenaneurysmen, daher sind Verlaufskontrollen nötig.
💡 Nice to know
Die Kortisongabe darf nicht auf die Biopsie warten: Die typischen histologischen Veränderungen bleiben noch mindestens ein bis zwei Wochen nach Therapiebeginn nachweisbar, während ein erblindetes Auge nicht wiederkommt.
Medizinischer & rechtlicher Hinweis
Einfach Medizin Pathio ist ein Lern- und Ratespiel. Die gezeigten Fälle sind vereinfacht und dienen ausschließlich Unterhaltungs- und Bildungszwecken. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.