Serotonin-Syndrom
- ICD-10G25.8
- Toxikologie
- Psychiatrie
- Gehirn
Auch bekannt als Serotoninsyndrom · Serotonerges Syndrom · Serotonin-Toxizität · Serotonin syndrome
Das Serotonin-Syndrom entsteht durch eine Überstimulation serotonerger Rezeptoren, meist durch die Kombination mehrerer serotonerg wirksamer Substanzen oder eine Überdosis. Typische Auslöser sind SSRI oder SNRI zusammen mit MAO-Hemmern, Tramadol, Triptanen, Linezolid, Lithium oder Drogen wie MDMA. Die Symptome beginnen meist innerhalb von Stunden nach Dosissteigerung oder Kombination. Leitbefunde sind neuromuskuläre Übererregbarkeit mit Klonus, Hyperreflexie und Tremor, autonome Symptome wie Tachykardie, Schwitzen, Mydriasis, Durchfall und Fieber sowie Unruhe bis Verwirrtheit.
Die Diagnose wird klinisch gestellt, etwa mit den Hunter-Kriterien, in denen spontaner, induzierbarer oder okulärer Klonus zentral ist. Im Unterschied zum malignen neuroleptischen Syndrom beginnt es schneller, zeigt Klonus statt Bleirohr-Rigor und klingt nach Absetzen meist innerhalb von 24 Stunden ab. Therapie sind das Absetzen aller serotonergen Substanzen, Benzodiazepine, Kühlung und Flüssigkeit, bei schwerem Verlauf der Serotoninantagonist Cyproheptadin und intensivmedizinische Behandlung.
💡 Nice to know
Der Tod der Studentin Libby Zion 1984 in New York, vermutlich durch ein Serotonin-Syndrom nach Pethidin bei laufender Therapie mit einem MAO-Hemmer, führte dort zu den ersten gesetzlichen Arbeitszeitbegrenzungen für Assistenzärzte.
Medizinischer & rechtlicher Hinweis
Einfach Medizin Pathio ist ein Lern- und Ratespiel. Die gezeigten Fälle sind vereinfacht und dienen ausschließlich Unterhaltungs- und Bildungszwecken. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.